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Das letzte Aufgebot der Nazis
Klaus Strottner: Eine Kindheit in Drackenstein (1)
Bericht der Geislinger Zeitung am 29. 10.2011
zur Zeitung
Klaus Strottner (74) hat ungeschmikt seine
Kindheitserinnerungen aus Drackenstein
niedergeschrieben. Im Folgenden seine  Beschreibung
der letzten Kriegstage und einer
standrechtlichen Erschießung.

Drackenstein. In den letzten Kriegstagen war es mit der
Ruhe in Drackenstein vorbei. So als wolle man die gesamte
Albhochfläche in eine einzige Festung verwandeln, wurde
die zusammengezogenen Soldaten damit auf Trab gehalten,
Bäume auf Albaufstiegswegen zu fällen um amerikanische
Panzer am Vormarsch zu hindern. Schützegräben wurden
auch an der alten Steige, die von Unterdrackenstein nach Oberdrackenstein führt, ausgehoben; das war eigentlich auch unser täglicher steiler Schulweg.
Jetzt schufteten dort gefangene Franzosen und
Polen mit Schaufel und Hacke. Man begann Löcher mit
Preßluftbohrern in die dünnsten Stellen der Viaduktbogen
der gegenüberliegenden Reichsautobahn zu bohren und
Sprengstoff hineinzustopfen, den man mit Zündschnüren
versah. Eines der schönsten Teilstücke der Autobahn von
München über Ulm-Stuttgart, das dort den Albabstieg mit
der herrlichen Brücke verbindet, wurde am nächsten Tag
in die Luft gesprengt.
Schwere Munitionswagen beladen mit Panzerfäusten,
Maschinengewehren, dicken Granaten und Sprengstoff,
standen getarnt unter Bäumen im Wald um Drackenstein.
Hinter der Scheune von Schweizers Hof machten sich etwa
20 deutsche Soldaten mit Gewehrputzen zu schaffen, es
wurde eine einem Rosenkranz ähnliche Kette mit einem
daran hängenden Öllappen durch den Gewehrlauf gezogen.
Ich hüpfte zwischen den Soldaten herum und sie redeten mit
mir. Einige Soldaten lachten, scherzten und rauchten, andre
waren ganz still. Ein älterer Soldat rief mich zu ihm hin. Er
saß auf dem Grasboden, zog mich ganz an sich, sagte, ich
sähe aus wie sein Sohn und weinte. Das Kommando über
dieses letzte zusammengewürfelte Aufgebot in und um
Drackenstein hatte ein Oberstleutnant, der mit meiner
Mutter ein Verhältnis hatte, was wir Kinder aber nie
bemerkt hatten. Dieser Offizier war es auch, der vor
Kriegsende eine letzte flammende Rede vor seinen
Soldaten auf der Wiese hinter dem Hof der Familie Bosch,
des Dorfwagners, hielt. Er hielt die Soldaten an
durchzuhalten, alles zu geben, auch das eigenen Leben,
um die Amerikaner zu stoppen. Gleichzeitig hörte man in
der Ferne schon Kanonendonner und feindliche
Jagdflugzeuge flogen ohne Widerstand über die
Gemarkungen und Dörfer und schossen auf alles,
was sich bewegte.
Dieser fanatische Nazi war es auch, der zwei Tage vor
Kriegsende noch ein Standgericht befehligte, um einen
jungen Russen erschießen zu lassen, der angeblich die
Bäuerin belästigt hatte, bei der er arbeitete. Mein
Schulfreund und ich haben hinter einer Hecke verborgen
gesehen, wie der arme Mensch in der Nähe des
Schießhäuschens sein eigenes Grab schaufeln musste und
erschossen wurde. Schnell wurde sein Körper mit Erde
bedeckt, das Erschießungskommando mit dem Offizier
sprang in den Kübelwagen und fuhr rasch davon. Wir
Buben überwanden unsere Angst und liefen zu dem
Grab, aus dem die Hände des Toten herausschauten.
Wir rannten ins Dorf, um zu erzählen, was wir gesehen
hatten. Die deutschen Soldaten waren aus dem Dorf
verschwunden und noch am selben Abend wurde der
Tote vom Pfarrer und seinen Helfern ausgegraben und
auf dem Friedhof beerdigt.
Am nächsten Morgen wurde meiner Mutter mitgeteilt,
dass der Oberstleutnant im Kampf gefallen sei. Tatsache
war, dass er hinterrücks von seinen Soldaten erschossen
worden war und diese sich Zivilkleidung besorgt hatten,
um der Gegangenschaft zu entgehen. Niemand hat später
etwas von den Verteidigern Drackensteins gehört.   
Fortsetzung folgt.

Autobahnbrücke Unterdrackenstein
Wieder aufgebaute Brücke, der A8  bei Drackenstein. Foto März 2010 MH

Gedicht von
Solveig Oboth


- Und manchmal
wenn der Wandelwind kälter weht -

Und jenseits der Nacht
- so manche haben wir davon durchwacht!
liegt wie ein Wunder verborgen
immer wieder ein neuer Morgen!

...und das Leben reicht Dir seine Hand
manchmal, ein wärmender Blick im Novemberland,
inmitten Lügengespinsten der Irren
grad drum und trotz allen Wirren:

Wir widerstehen!
Lachen wenn wir uns ansehen!

...und zu Haus schmeiss ich die Sorgen in's Eck
lach über den Dreck, lach ihn weg
mit einer Träne der Wut
steh ich auf
und auch morgen wieder....
...sprech' ich mit Menschen im Tagesverlauf....

....und siehst Du die Blumen am Strassenrand?

....das Leben reicht Dir seine Hand!

Und in den Bäumen dies Lied
das Deine Seele durchzieht
- auch Du kannst es hören
und nichts wird das jemals zerstören.

Kostbare Augenblickszeiten -
halt inne wenn sie Dich streifen -
Dich berühren
und zu Deiner Kraft Dich wieder führen:

Du bist wir sind das (Wunder)Leben!

JETZT!

Und hier:
Oben bleiben!



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